Messen Sie Lernerfolge jenseits von Abschlussquoten

Wie sich Lernen besser mit messbarem Geschäftsnutzen verbinden lässt 

Warum „traditionelle“ Lernkennzahlen nur einen Teil des Bildes zeigen

2026 wissen die meisten Organisationen, wie viele Mitarbeitende sich für einen Kurs angemeldet haben, wie viele ihn abgeschlossen haben, welche Bewertungsergebnisse sie erzielt haben und ob die Lernenden zufrieden waren. Noch nie waren so viele Daten für L&D zur Verfügung.

 

Schwieriger gestaltet sich die Frage, was danach passiert ist: Wurden Mitarbeitende handlungsfähiger? Haben sie das Gelernte anwenden können? Hat sich die Leistung verbessert? Und hat sich die Organisation damit dem Ziel angenähert, das die Lerninitiative unterstützen sollte?

 

Diese Lücke zwischen dem Messen von Lernaktivitäten und dem Nachweis von Geschäftsnutzen lässt sich immer schwerer ignorieren. Ein Guide von Gartner verweist auf den wachsenden Druck auf L&D-Führungskräfte, den Wert ihrer Funktion in einer Sprache zu vermitteln, die an übergeordnete Unternehmensprioritäten anschließt. Eine ähnliche Herausforderung zeigt auch die State of Learning Technologies Studie 2026: 44 % der befragten L&D-Entscheidenden in Unternehmen gaben an, dass es ihnen schwerfällt, ihre Lernaktivitäten mit einer breiteren Geschäftswirkung zu verknüpfen.

 

Die Antwort lautet nicht zwangsläufig, mehr Daten zu sammeln. Wichtiger ist es, klar zu definieren, was überhaupt gemessen werden sollte.

Abschlussquoten sagen zwar etwas aus, aber nicht alles

Traditionelle Lernkennzahlen bleiben nützlich, denn niedrige Abschlussquoten können darauf hindeuten, dass Mitarbeitende keine Zeit für Weiterbildung finden. Genauso können schwache Testergebnisse zeigen, dass Inhalte nicht wirksam sind oder zu schwer ausfallen.

 

Probleme entstehen aber, wenn diese Kennzahlen als eigenständige Fortschrittsindikatoren gelten.

 

Der Abschluss eines Leadership-Programms zeigt zum Beispiel, dass jemand teilgenommen hat. Und wenn die Person die Abschlussprüfung bestanden hat, deutet das darauf hin, dass sie die Konzepte verstanden hat. Keine dieser Kennzahlen sagt aber zwingend, ob sich ihr Führungsverhalten sechs Wochen später verändert hat.

 

Dasselbe gilt für Vertriebstrainings, Onboarding oder Compliance. Je näher eine Kennzahl an der Lernaktivität selbst liegt, desto weniger sagt sie darüber aus, was sich danach im Arbeitsalltag verändert hat. Für Senior Stakeholder, die wissen wollen, was eine L&D-Investition bewirkt hat, ist „92 % Abschlussquote“ daher selten die vollständige Antwort.

Aber auch der finanzielle ROI ist nicht immer die Antwort

Wer die Grenzen von Kennzahlen zur Lernaktivität erkennt, landet schnell im anderen Extrem: Jede Lerninitiative soll plötzlich eine finanzielle Rendite abwerfen.

 

Finanzieller ROI kann sehr nützlich sein, wenn zwischen einer Maßnahme und einem wirtschaftlichen Ergebnis eine klare Beziehung besteht. Lernen ist aber meist Teil eines deutlich größeren Systems.

 

Die Vertriebsleistung kann zum Beispiel durch Training beeinflusst werden, aber auch durch Marktbedingungen, Preisgestaltung, Produktänderungen, Vertriebssteuerung und Lead-Qualität. Die Bindung von Mitarbeitenden hängt zwar oft von Entwicklungsmöglichkeiten ab, jedoch genauso wichtig sind Vergütung, Führung, Arbeitslast und Karriereperspektiven.

 

Deshalb kann der Versuch, jede Verbesserung allein dem Lernen zuzuschreiben, eine trügerische Genauigkeit erzeugen.

 

Für Unternehmen ist oft die wichtigere Frage: Wie würde bei diesem konkreten Geschäftsproblem ein glaubwürdiger Erfolgsnachweis aussehen? 

 

Die Antwort fällt je nach Lerninitiative unterschiedlich aus:

  • Beim Onboarding kann eine kürzere Zeit bis zur Einsatzfähigkeit aussagekräftiger sein als ein theoretisch berechneter finanzieller Ertrag.
  • Bei Compliance-Schulungen sind Risikoreduktion, weniger Vorfälle oder weniger Audit-Feststellungen oft relevanter.
  • Beim Reskilling können nachgewiesene Kompetenz und erfolgreiche Einsätze in neuen Rollen die stärkeren Belege sein.
  • Beim Sales Enablement ist die Verbindung zur Geschäftsentwicklung oft direkter. Deshalb lassen sich Lerndaten hier eher zusammen mit Kennzahlen wie Conversion, Qualität der Abschlüsse oder Erfolgsquote im Vertrieb betrachten. 

 

Wirkung lässt sich deshalb selten in einer einzigen Formel abbilden.

Bauen Sie eine Wirkungskette vom Lernen bis zur Leistung auf

Lernwirkung lässt sich als Abfolge betrachten:

 

AKTIVITÄT → LERNEN → KOMPETENZ → ANWENDUNG → LEISTUNG → GESCHÄFTSERGEBNIS

 

Jede Stufe beantwortet eine andere Frage.

  • Aktivität: Haben Menschen teilgenommen?
  • Lernen: Haben sie das vorgesehene Wissen oder Verständnis erworben?
  • Kompetenz: Beherrschen sie die erforderliche Fähigkeit?
  • Anwendung: Nutzen sie diese Fähigkeit in ihrer Arbeit?
  • Leistung: Hat sich der relevante Aspekt der Arbeitsleistung verändert?
  • Geschäftsergebnis: Hat dies zum übergeordneten Unternehmensziel beigetragen?

 

Nicht jedes Programm muss auf jeder Stufe gemessen werden. Und nicht jede Initiative muss bis zum letzten Schritt reichen. Der Wert dieses Modells liegt darin, dass L&D-Teams gezwungen sind zu fragen, wo ihre aktuelle Evidenz tatsächlich endet. Eine Organisation kann zum Beispiel feststellen, dass sie Aktivität und Lernen sehr gut misst, aber fast keine Sicht auf Kompetenz oder Anwendung hat. Dann wird es schwer zu erklären, warum Training einige Stufen später in der Kette ein Geschäftsergebnis beeinflussen sollte.

 

Hier können Learning Analytics eine Hilfe sein: Es geht nicht darum, noch mehr Dashboards zu bauen, sondern verschiedene Datenquellen zusammenzubringen. So sieht L&D übersichtlich, was über die reine Teilnahme hinaus tatsächlich passiert.

 

Erfahren Sie, wie Scheer IMC Sie beim Aufbau von Learning Analytics für einen besser messbaren ROI unterstützen kann.

Kompetenz ist oft das fehlende Bindeglied

Für viele Organisationen liegen die nützlichsten Kennzahlen irgendwo zwischen Abschlussquoten und Business-KPIs. Diese mittlere Ebene lässt sich oft über Kompetenz und nachgewiesene Befähigung abbilden.

 

Der Future of Jobs Report 2025 des World Economic Forum zeigt, dass Kompetenzlücken weiterhin zu den größten Hürden für Unternehmenstransformation zählen, während 85 % der befragten Unternehmen das Upskilling in der Belegschaft priorisieren wollen. Wenn Organisationen in Lernen investieren, um vor allem Kompetenzen aufzubauen, dann wird der Nachweis von Kompetenzentwicklung selbst zu einer wichtigen Kennzahl.

 

Dazu können gehören: 

  • nachgewiesene Kompetenz in einer Bewertung oder realistischen Situation 
  • bessere Leistung in Simulationen 
  • Beobachtungen durch Führungskräfte oder Teammitglieder 
  • verkürzte Zeit bis zur Kompetenz 
  • erfolgreiche Anwendung einer neuen Fähigkeit im Arbeitsablauf 
  • interne Wechsel in Rollen, die neu aufgebaute Kompetenzen erfordern 

Diese Indikatoren ersetzen keine Geschäftsergebnisse, sondern helfen dabei eine Erklärung zu finden, welche Auswirkung das Lernen hat.  Ein direkter Sprung von „Kurs abgeschlossen“ zu „Geschäftserfolg verbessert“ überzeugt oft nicht. Für viele Lerninitiativen ist dieser Weg deshalb glaubwürdiger.

Lernen funktioniert nicht alleine

Einer der größten Messfehler passiert, bevor überhaupt Daten erhoben werden. Wenn erst nach Abschluss eines Programms über Erfolg gesprochen wird, suchen L&D-Teams oft rückwirkend nach Kennzahlen, die den Wert vielleicht belegen könnten. Die Hinweise des CIPD zur Lernevaluation gehen den umgekehrten Weg: Sie beginnen mit der Leistungslücke.

 

Das bedeutet, zu Beginn direkt andere Fragen zu stellen: 

  • Welches Geschäfts- oder Leistungsproblem möchten wir beeinflussen?
  • Was sollten Mitarbeitende anschließend anders tun können?
  • Welche Kompetenz oder welches Verhalten muss sich verändern?
  • Welche Evidenz würde zeigen, dass genau das passiert ist?
  • Wo liegen diese Daten möglicherweise bereits vor?

Erst dann sollten die Lernmaßnahme und ihr Messansatz gestaltet werden. Das verändert auch das Gespräch mit den Fachbereichen: Statt die Freigabe für ein „Trainingsprogramm“ einzuholen, kann L&D sich mit ihnen auf das Leistungsproblem, die gewünschte Veränderung und die Nachweise für den Fortschritt verständigen. Messung wird damit zum festen Bestandteil der Lernstrategie – statt zu einer Aufgabe, die am Ende noch angehängt wird.

Durch KI wird die Content-Menge zu einem schwächeren Erfolgsmaßstab

Die Herausforderung wird noch wichtiger, da KI verändert, wie Lerninhalte erstellt werden. Heutzutage beschleunigen Tools Aufgaben wie Content-Erstellung, Lokalisierung und Übersetzung. Wenn sich diese Möglichkeiten weiter verbreiten, können Unternehmen Lernmaterialien deutlich schneller erstellen und aktualisieren.

 

Aber ein höheres Content-Volumen bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung in der Organisation. Im Gegenteil: Je einfacher Content-Produktion wird, desto wichtiger wird die Priorisierung.

 

L&D-Teams sollten sich nicht fragen, wie viele Lerninhalte sie bereits erstellt haben. Wichtiger wird die Frage, ob die Kompetenzen aufgebaut wurden, die wirklich gebraucht werden. 

 

Damit verschiebt sich der Fokus von Produktionsmenge hin zu Relevanz, Anwendung und messbarer Veränderung. 

Messen Sie nicht nur das Lernen, sondern verstehen Sie die Veränderungen

Letztlich gibt es keine universelle Kennzahl, die „beweist“, dass Lernen einen Wert geschaffen hat. Eine Abschlussquote kann genauso wichtig sein wie ein Skill-Assessment. Genauso relevant können Kennzahlen wie Zeit bis zur Einsatzfähigkeit, operative Leistung oder finanzieller ROI sein.

 

Der entscheidende Punkt bleibt aber: Die richtige Kennzahl hängt von dem Problem ab, das die Organisation lösen will. Für L&D- und HR-Führungskräfte bedeutet das nicht, immer größere Dashboards aufzubauen. Wichtiger ist eine klarere Verbindung zwischen dem Geschäftsziel, der aufgebauten Kompetenz und dem Nachweis, mit dem ein Erfolg bewertet wird.

 

Am Ende zählt mehr als nur die Frage, ob Mitarbeitende etwas gelernt haben. Entscheidend ist auch, was sie dadurch anders tun können – und warum das für die Organisation relevant ist.

WEITERE INHALTE

Die Lücke beim Wirkungsnachweis: Was uns 420 L&D-Verantwortliche berichtet haben

Erfahren Sie, wie sich laut den Teilnehmenden unserer State of Learning Technologies Studie 2026 die Diskussion über den Einfluss von Lernen auf die Business-Performance verändert.

Vom Business-Ziel zur Lernkennzahl: Ein praxisnaher Leitfaden, um die Wirkung von Lernen zu messen

Machen Sie sichtbar, was Ihre Lernangebote wirklich bewirken. Unser Praxisleitfaden zeigt Ihnen, welche Lernkennzahlen zählen und warum.