Wie Industrieunternehmen Lernen skalierbar, effizient und praxisnah gestalten
Impressionen und Key Takeaways vom Branchentag Fertigung
Wie lassen sich Trainings in globalen Produktionsumgebungen skalieren? Wie können Pflichtunterweisungen effizienter organisiert werden? Was braucht es, damit eine LMS-Migration gelingt? Und welche Rolle spielt KI künftig im Kommunikations- und Vertriebstraining?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Branchentags Fertigung bei Dürr in Bietigheim-Bissingen. 14 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter aus zehn Unternehmen kamen zusammen, um Einblicke aus der Praxis zu teilen, Erfahrungen zu vergleichen und gemeinsam über die Zukunft von Corporate Learning in der Fertigungsindustrie zu sprechen.
Der Nachmittag zeigte deutlich: Learning in der Industrie ist längst mehr als die Bereitstellung von Trainings. Es geht um globale Skalierbarkeit, lokale Umsetzbarkeit, Prozessautomatisierung, Datenkontinuität und neue Lernformate, die näher an den tatsächlichen Arbeitsmoment rücken.
Globales Lernen braucht lokale Flexibilität
Den Auftakt machte Dürr mit einem Einblick in die strategische Weiterentwicklung der eigenen Trainingsaktivitäten. Im Fokus stand die Frage, wie eine Academy mit globalem Anspruch aufgebaut und skaliert werden kann.
Eine zentrale Herausforderung: Trainingsprozesse müssen über Länder und Standorte hinweg abgestimmt sein, gleichzeitig aber lokal administriert werden können. Gerade in international aufgestellten Industrieunternehmen ist diese Balance entscheidend. Zu viel Zentralisierung erschwert die Umsetzung vor Ort. Zu viel lokale Eigenständigkeit kann globale Standards verwässern.
Das Beispiel Dürr zeigte, wie eine Lernplattform dabei helfen kann, beide Anforderungen miteinander zu verbinden: globale Steuerung und lokale Verantwortung.

Wenn Besucherunterweisungen nicht mehr manuell organisiert werden müssen
GROB-WERKE stellte ein besonders konkretes Anwendungsszenario vor: die digitale Sicherheitsunterweisung für Besucherinnen und Besucher des Werksgeländes.
Was früher organisatorischen Aufwand verursachte, lässt sich heute über die Lernplattform deutlich effizienter abbilden. Durch Selbstregistrierung, automatisierte Bereitstellung der Trainingsinhalte und digitale Dokumentation kann der Prozess weitgehend ohne manuelle Administration umgesetzt werden.
Der Mehrwert liegt auf der Hand: weniger Aufwand für Mitarbeitende, bessere Nachvollziehbarkeit und ein professioneller Onboarding-Prozess für Besuchende, noch bevor sie das Werk betreten.

LMS-Migration: Lernhistorien dürfen nicht verloren gehen
Ein weiteres Thema, das viele Learning-Verantwortliche beschäftigt, brachte Liebherr ein: die Migration von einer bestehenden Lernplattform auf neue Systeme.
Im konkreten Fall ging es um den Wechsel von Saba Cloud auf SAP SuccessFactors und die imc Learning Suite. Besonders relevant war dabei die Übernahme bestehender Daten. Denn bei einer LMS-Migration geht es nicht nur um Technik oder Systemarchitektur. Es geht auch darum, Lernhistorien, Nachweise und gewachsene Strukturen so zu übertragen, dass sie im neuen System weiterhin nutzbar bleiben.
Das Beispiel machte deutlich: Eine erfolgreiche Migration schafft nicht nur einen neuen technischen Rahmen, sondern auch Vertrauen. Gerade dann, wenn Lernhistorien vollständig verfügbar bleiben und bestehende Prozesse sauber weitergeführt werden können.

KI im Kommunikationstraining: Näher am echten Gespräch
Für besonders viel Diskussion sorgte der Beitrag von Festo zur Nutzung von KI im Kommunikationstraining mit DialogueGPT.
Das Interesse war groß, weil das Thema sehr nah an praktischen Anwendungsszenarien liegt: Vertriebsgespräche, Servicekommunikation, Beratungssituationen, Code of Conduct oder andere Gesprächsformate, die sich nicht allein durch klassische Inhalte trainieren lassen.
Ein spannender Gedanke aus der Diskussion: Wie nah kann Training an den tatsächlichen „Moment of Need“ – also an den Moment direkt vor einer konkreten Gesprächssituation – rücken? Eine solche Situation entsteht etwa dann, wenn Sales-Mitarbeitende ein Verkaufsgespräch vorbereiten und kurz vorher noch einmal realistische Gesprächsszenarien mit KI trainieren möchten.
Genau hier entsteht ein neues Verständnis von Lernen: nicht als einmalige Schulung, sondern als situative Unterstützung im Arbeitsalltag.

Was die Diskussionen gezeigt haben
Nach den Vorträgen wurde intensiv diskutiert. Dabei ging es nicht nur darum, wie die vorgestellten Lösungen funktionieren, sondern vor allem um die Frage: Was davon lässt sich auf das eigene Unternehmen übertragen?
Drei Themen zogen sich durch den gesamten Nachmittag:
Industrieunternehmen brauchen Lernlösungen, die mit globalen Strukturen, mehreren Standorten und unterschiedlichen Zielgruppen umgehen können.
Administrative Aufwände müssen reduziert werden, besonders bei wiederkehrenden Prozessen wie Pflichtunterweisungen, Nachweisen oder Registrierungen.
Lernen muss näher an konkrete Arbeitssituationen rücken: ob in der Produktion, im Service, im Vertrieb oder in der Führungskräfteentwicklung.
Ein Format mit Wiederholungswunsch
Am Ende war das Feedback eindeutig: Die Teilnehmenden empfanden den Branchentag als sehr wertvoll und wünschten sich eine Fortsetzung des Formats.
Der Grund dafür liegt nicht nur in den Vorträgen, sondern vor allem im offenen Austausch. Gerade in der Fertigungsindustrie stehen viele Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen. Umso wertvoller ist es, konkrete Praxisbeispiele zu sehen, Fragen stellen zu können und gemeinsam zu diskutieren, was im eigenen Kontext funktionieren könnte.
Auch das Interesse an KI-gestützten Trainingsformaten war deutlich spürbar. DialogueGPT wurde von mehreren Teilnehmenden als reif und praxisnah wahrgenommen. Erste Anfragen für weiterführende Demonstrationen im Unternehmen entstanden bereits direkt im Anschluss an den Branchentag.

Fazit: Corporate Learning in der Fertigung wird strategischer
Der Branchentag Fertigung hat gezeigt: Learning ist in der Industrie ein strategischer Hebel. Unternehmen suchen nach Lösungen, mit denen sie Wissen global verfügbar machen, Prozesse automatisieren, Lernhistorien sichern und neue Technologien sinnvoll einsetzen können.
Ob globale Academy, digitale Sicherheitsunterweisung, LMS-Migration oder KI-gestütztes Kommunikationstraining, alle Beispiele hatten eines gemeinsam: Sie zeigten, wie Lernen konkreter, effizienter und näher am Arbeitsalltag gestaltet werden kann.
Für die Fertigungsindustrie wird genau das immer wichtiger. Qualifizierung muss heute nicht nur funktionieren, sondern auch skalieren, nachweisbar sein und Menschen genau dort unterstützen, wo neues Wissen gebraucht wird.